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Wendlinger Zeitung, 17.01.2011

„ Die Gründung von Stromwerken ist ein beschwerlicher Weg“

Initiative Teckwerke stellt sich vor – Experten warnen: eigene Werke haben „keine Lizenz zum Gelddrucken“
Die Konzessionsverträge der Kommunen mit den Energiekonzernen laufen 2012 aus. Wie geht es danach weiter? Diskutiert wird die Schaffung einer Netz KG durch den Neckar-Elektrizitäts-Verband genauso wie die Kommunalisierung der Stromversorgung, also die Einrichtung regionaler Netzbetreiber. Manche Kommune wittert hier eine neue finanzielle Einnahmenquelle.

VON CHRISTA ANSEL

KIRCHHEIM/WENDLINGEN. Der Ablauf der Konzessionsverträge im Jahr 2012 wirft
bei den Kommunen die Frage auf, wie es weitergeht. Der Neckar-Elektrizitäts-
Verband, ein kommunaler Zweckverband, dem 167 Städte und Gemeinden sowie
neun Landkreise angehören, prüft die Schaffung einer eigenen Netz KG, und einzelne
Kommunen überlegen sogar die Einrichtung eigener Stromwerke.
In der Raumschaft Neckar-Fils haben sich Kommunen zu einer Arbeitsgruppe
zusammengetan, um gemeinsam die Frage eines möglichen regionalen Stromwerks zu prüfen.
Ein Gutachter soll die Wirtschaftlichkeit der Übernahme des Energienetzes durch die
Kommunen untersuchen. Allerdings sind zwischenzeitlich wichtige Kommunen abgesprungen.
Geblieben sind die Städte Wendlingen und Plochingen, die Gemeinden Lichtenwald, Ebersbach
und Baltmannsweiler. Nach dem Ausstieg von Wernau, Köngen, Hochdorf, Deizisau und
Altbach ist Wendlingen in eine Insellage geraten. Dennoch hat der Gemeinderat dem Auftrag
für ein Gutachten zugestimmt. Rund 9000 Euro müssen dafür von der Stadt bezahlt werden.
Derweil hat sich in der Nachbarstadt Kirchheim aus der lokalen Agenda heraus eine
selbstständige Initiative gebildet, zu der der Unternehmer Felix Denzinger als treibende Kraft
gehört: die Initiative Teckwerke. Am Donnerstagabend waren Bürgermeister und
Gemeinderäte der Region eingeladen zu einer Informationsveranstaltung in der Deula in
Kirchheim. Ausgelotet wurden an diesem Abend die Potenziale bei einer Rekommunalisierung
der Energieversorgung.
Felix Denzinger, der in Wendlingen die Firma „Energy Sourcing Photovoltaik“ leitet, stellte zu
Beginn das Konzept einer Energieversorgung in der Region um die Teck, also das Projekt
Teckwerke, vor. Denzinger sprach von einem lokalen Energiewerk, das über 100 000
Einwohner versorgen könnte, wenn alle Gemeinden zwischen Weilheim, Erkenbrechtsweiler,
Kirchheim bis hin nach Wendlingen, Oberboihingen und Wernau mitmachten. Beteiligen
sollten sich an einem solchen Werk aber auch interessierte Bürger, und natürlich brauche
eine solche Gründung einen strategischen Partner mit dem entsprechenden Know-how.
Die Gründung eines regionalen Werkes eröffne den Kommunen über die Konzessionsabgabe
hinaus vor allem neue wirtschaftliche und strategische Handlungsspielräume, beispielsweise
bei der Wahl der Stromerzeugung. Denzinger sprach von der Chance, über dieses
Regionalwerk zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen zu generieren, die Gewinne aus dem
Netzbetrieb flössen in die Kassen der Kommunen. Örtliche Energiequellen könnten
erschlossen werden. Felix Denzinger sieht die Chance, dass bis zum Jahr 2030 der komplette
Bedarf aus erneuerbaren Energiequellen gespeist werden könne. Die Nachhaltigkeit der
Energieerzeugung sei so gewährleistet. Durch einen Kraftwerksneubau vor Ort könnten
Arbeitsplätze geschaffen werden. „Aus der Region – für die Region“ laute das Motto des
Projekts Teckwerke.
Während der Neckar-Elektrizitäts-Verband mit der geplanten Netz KG nur den Netzbetrieb der
Stromversorgung abdecke, habe das Teckwerk die Chance, das ganze Spektrum der
Versorgung mit Energien aufzugreifen. Neben dem Netzbetrieb ist hier an den Handel mit
Strom und Gas genauso gedacht wie an die Erzeugung von Strom und Gas, an Wasser,
Wärme und anderes mehr. Denzinger und seine Mitstreiter setzen dabei auf die Rechtsform
einer Genossenschaft.
Torsten Schwarz, Geschäftsführer der Kommunalpartner Beteiligungsgesellschaft in
Friedrichshafen, hat Erfahrung in der Gründung regionaler und kommunaler
Versorgungswerke und machte auf eines eindringlich aufmerksam: Die Gründung eines
kommunalen Stromwerkes ist ein beschwerlicher Weg, aber die vielen Mühen könnten sich
durchaus lohnen. Wissen müsse man, der Energiemarkt habe keine Zuwächse, es finde immer
ein Verdrängungsmarkt statt. Die Gründung eines eigenen Versorgungswerks sei also keine
Schmuse-Veranstaltung. Darauf müsse sich jeder, der mit dem Gedanken spiele, einstellen.
Und die Gründung allein schaffe noch keine Kunden. Viele Stadtwerke, warnte Schwarz, seien
zu klein, um eigenständig Strom einkaufen zu können, das brauche Kooperationen. Solle eine
solche Neugründung funktionieren, brauche es vom ersten Tag an das volle Know-how.
Der Netzbetrieb binde das meiste Kapital und bringe am wenigsten ein, ist für ein
kommunales Stromwerk also nicht attraktiv. Netzerlöse würden vom Bund gedeckelt. Neue
Stromwerke müssten sich also so breit wie möglich aufstellen. Aber das gehe nicht ohne
Risiko, betonte Torsten Schwarz. Ein Stromwerk zu gründen bedeute nicht, vom ersten Tag an
eine „goldene Kuh melken“ zu können.
Eigene Stromwerke arbeiteten in den ersten Jahren immer mit Anlaufverlusten. Und dann
brauche es Jahre, diese zu kompensieren. Der Kauf eines Stromnetzes fordere langfristige
Investitionen. Ein Netz koste im Schnitt zwischen 600 und 700 Euro pro Einwohner. In
Wendlingen würde sich das auf rund 10 Millionen Euro hochrechnen. Es dauere also, bis
Kommunen aus einem solchen Werk ihre Haushalte sanieren oder gar Eigenbetriebe mit
Verlusten steuerlich verrechnen könnten. Und es setze voraus, sich mit der Energiewirtschaft
auseinanderzusetzen und bereit zu sein, auch schwere Zeiten gemeinsam zu überwinden.
Rückschläge, so Schwarz, gebe es immer wieder.
Ein eigenes Stromwerk zu gründen hält der Münchner Rechtsanwalt Oliver Eifertinger für sehr
mutig, weil keine Kommune über die erforderlichen Fachkräfte verfüge. Der
Entscheidungsfindungsprozess und die Analyse müsse von der Kommune allein bewältigt
werden. Wer sich für die Gründung eines eigenen Stromwerkes stark mache, müsse in der
Energiewirtschaft mitreden können. Und da sieht Eifertinger ein Problem. Selten verfügten die
kommunalen Parlamente über die erforderliche Kompetenz. Das aber sei eine wichtige
Voraussetzung, um ein kommunales Werk von Anfang an effizient führen zu können.
Der Kauf eines Stromnetzes durch die Kommunen erfordert hohe Investitionen. sel

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