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Teckbote 09.10.2009 - 13:55 Uhr

Rebelliert bald auch Kirchheim?

Wer betreibt künftig unser Stromnetz? Um diese Fragen geht es derzeit auch in Kirchheim, denn im Jahr 2012 werden die Konzessionen für den Netzbetrieb für die kommenden 20 Jahre vergeben. Eine Alternative zur Verpachtung könnte der Weg der Schönauer Stromrebellen sein. Die Bürger des Schwarzwaldstädtchens haben ihrer Stadt vor zehn Jahren das Netz abgekauft und bestimmen seither selbst, von wo ihr Strom kommt. Eine Vertreterin der Initiative hat das Modell vorgestellt.

Kirchheim. Rund 60 Bürger waren der Einladung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Kirchheim und der lokalen Agenda, Arbeitsgruppe Energie, gefolgt, um sich über die Alternativen zum bisherigen Konzessionsinhaber, dem Stromversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) zu informieren. Dieser betreibt bislang, wie in den meisten Kommunen, das Stromnetz und bezahlt dafür Konzessionsabgaben an die Stadt Kirchheim. Doch in rund zwei Jahren läuft auch hier der Vertrag aus und es muss neu verhandelt werden. „Wir in Kirchheim müssen uns Gedanken machen, wem wir unser Netz für die kommenden 20 Jahre vermieten“, sagt Felix Denzinger von der Lokalen Agenda. Derzeit, so Denzinger, gebe es zudem Bestrebungen der EnBW und des ehemaligen Neckarwerksverbunds (NWS), sich gemeinsam mit den Kommunen zu einem Verbund zusammenzuschließen, der dann die Netze verwaltet. „Diesen Vorschlag betrachten wir sehr kritisch, da die Stadt bei diesem Modell weniger Gestaltungsspielraum hat, als wenn sie das Netz selbst betreibt.“ Auch die Gewinne aus den Netzen würden für die Stadt geringer ausfallen.

Eine Alternativekönnte das Modell der Schönauer Stromrebellen sein, das Dr. Eva Stegen von der Energieversorgung Schönau (EWS) den Besuchern vorstellte. „Die EWS ist ein Netzbetreiber und handelt deutschlandweit mit Strom“, so Stegen. Hier in Kirchheim bezahle die zentralistische Firma EnBW Netzmiete und habe Interesse daran, ihren aus Kohle und Atomenergie gewonnenen Strom zu verkaufen, aber nicht an sogenannte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme sinnvoll, beispielsweise zu Heizzwecken nutzen.
In einem rund einstündigen Film stellte Stegen die Entwicklung der EWS vor, von der Bürgerbewegung, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gegründet wurde, bis zum leistungsfähigen Vermarkter nachhaltig erzeugter Energie. Anfang der Neunzigerjahre sammelte die Bürgerbewegung in Schönau zunächst 100 000 Mark, um die Stadt von der frühzeitigen Verlängerung der Konzession des bisherigen Netzbetreibers abzubringen. Schließlich gelang es den Stromrebellen, wie sie sich selbst nennen, der Stadt das Stromnetz abzukaufen und so selbst zum Energieversorger zu werden.„Es geht uns nicht ums Geld, sondern um die Energiewende“, machte Dr. Eva Stegen im Anschluss deutlich.

Erneuerbare Energien seien auch ein Jobmotor, rund 300 000 Arbeitskräfte hingen direkt von ihnen ab. In Schönau sei zu beobachten, dass besonders die kleinen Handwerksbetriebe beispielsweise von der Installation von Blockheizkraftwerken profitierten. Ziel der EWS sei es nicht, bis ultimo zu wachsen, vielmehr wolle man, wie hier in Kirchheim, weitere Netzbetreiber gründen, sagte Stegen. Zur Atomenergie meinte sie: „Es werden viele Lügen über Atomkraftwerke verbreitet. Ich wohne in Freiburg, wenige Kilometer von Fessenheim, dem ältesten Atomkraftwerk Frankreichs, entfernt. Wenn da ein Unfall passiert, muss die Bevölkerung bis Würzburg evakuiert werden“.

Auch einen Preisvorteil biete der atomar erzeugte Strom nicht. Anhand einer Grafik machte sie deutlich, dass Atomstrom für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3 000 Kilowattstunden rund 40 Euro teurer sei als der aus anderen Energieträgern erzeugte Strom. Rechne man zudem noch die 278 Milliarden Euro Förderung durch Steuergelder, koste die Kilowattstunde Atomstrom 2,70 Euro, rechnete Stegen vor. Auch von der viel beschworenen Energieknappheit, so Stegen, könne keine Rede sein. Seit 2003 werde mehr Energie produziert als verbraucht werde. „Heute sind das 20 Terrawattstunden, die Jahresleistung aller Deutschen Wasserkraftwerke“.

Im Publikum, das Film und Vortrag mit großer Aufmerksamkeit verfolgt hatte, regten sich viele Fragen. Beispielsweise, ob man denn weiterhin Solarstrom in das Netz der EnBW einspeisen könne, wenn man zu einem Ökostromanbieter wechsle. Dies sei problemlos möglich, so Stegen, da das Erneuerbare-Energien-Gesetz die EnBW zur Abnahme des Stroms verpflichte. Bei der zweiten Frage musste auch die Fachfrau kurz innehalten. Ein Zuhörer stellte die Frage, woran man denn die Unabhängigkeit eines Energieberaters erkenne. „Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn sie keinen Berater eines Energieversorgers nehmen“, riet Stegen. Ansonsten solle man sich von seinem gesunden Menschenverstand leiten lassen. Weiter interessierte viele Zuhörer, woher denn der von der EWS verkaufte Strom aus Wasserkraft käme. „Aus Norwegen, denn in Deutschland kann man nur atomverseuchten Wasserkraftstrom kaufen.“ Die Anlagenbetreiber hätten alle auch Atomkraftwerke, erklärte Stegen und schloss mit den Worten: „Die sauberste Kilowattstunde ist die, die nicht erzeugt werden muss“.

giew maschajechi

 

 

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